2016

Der letzte Ultra im Jahr – alles raushauen oder genießen?

Am vorletzten Oktobertag ging es auf nach Remscheid, wo seit nunmehr 16 Jahren der Röntgenlauf stattfindet. Gelaufen wird dabei, wie es der Name schon verrät, auf dem originalen Röntgenweg. Das Wetter wurde ein Traum. Wolkenloser Himmel bei Temperaturen zwischen 10°und 15°C. Dazu kein Wind….perfekter geht es eigentlich nicht!

Wäre da nicht die ansprungsvolle Strecke. Auf den 63,3km waren immerhin über 1000HM zu überwinden. Und da waren zwei, drei richtig steile Rampen drin. So etwa ca. bei km27/28 als es einen Serpentinenweg mit gefühlten 45° Steigung hochging. Oder bei km45 als am Ende noch eine mehrstufige Treppe zu bewältigen war. Aber von Anfang an.

Für den letzten Ultra in diesem Jahr hatte ich mir eigentlich nur vorgenommen, 61sec. schneller zu sein, als vor zwei Jahren. Da hatte ich 5:01:00h gebraucht. Damit war ich damals Gesamtfünfter geworden. Jetzt wollte ich das eine Vier vorne steht. Sollte ich, wenn alles gut läuft, sogar um die 4:50h laufen, wäre ein Podestplatz möglich.

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Die Streckenlänge war dabei in exakt 3 Halbmarathons unterteilt, wobei die Hälften zwei und drei die Schwierigsten darstellten. Deshalb versuchte ich auch den ersten Teil etwas langsamer anzugehen. So hatte ich eventuell noch was zum zulegen. So sah es mein Plan vor. Ich hielt mich also etwas zurück und beendete den ersten HM nach 1:32:24 und damit 3min langsamer als 2014. Da brauchte ich aber auf den anderen Streckenteilen deutlich länger. Dieses Mal hatte ich vor es besser zu machen. Und ich fühlte mich weiterhin richtig gut. Ich versuchte an den leichten Anstiegen nicht zu viel Zeit zu verlieren, aber auch nicht zu schnell hochzulaufen. Dafür „bretterte“ ich die Abstiege nicht herunter, sondern bewältigte sie kontrolliert. Das Konzept schien bislang aufzugehen.

Trotz zweier heftiger Anstiege bei km25, und den oben Genannten bei km27, blieb ich im weiter im Soll. Für den Marathon war eine Durchgangszeit von um die 3:15h, bzw. um die 1:45h für die zweite Hälfte, geplant. Als ich die 42,195km Marke passierte zeigte die Uhr 3:14 (1:41h). Vielleicht einen Tick zu schnell, aber noch immer fühlte ich mich gut. Auch wenn mich kurz vorher Frank Meerbach überholt hatte. Er ist eigentlich weiter vorne anzusiedeln, wusste aber nach überstandener Erkältung nicht wie es um ihn stand. Ich lag bis dahin auf Gesamtplatz Vier, was natürlich für’s Podest noch alle Möglichkeiten ließ. Jetzt war ich also Fünfter…. wollte mich aber noch nicht aufgeben. Also meine ím Verpflegungsbereich deponierte Trinkflasche mit Elektrolyt gepackt und weiter ging‘s.

Bis km50 trotzdem weiterhin etwas zurückhaltend laufen, sagte ich mir. Denn von kurz nach dem Marathon bis ca. km47 ging es nun stetig bergauf. Ich versuchte konzentriert zu bleiben und noch nicht zu viel zu riskieren. Am Ende des langen Anstieges stand dann die Treppe. Die beste Variante war einfach diese hochzugehen. Oben angekommen gleich wieder in den Laufschritt und Tempo aufnehmen. Zum Glück kam jetzt ein längeres Stück was geradeaus ging. Also nicht nachlassen und locker bleiben.

Dennoch hatte ich immer wieder Probleme meinen Schnitt zu halten. Und obwohl jetzt keine großen Hügel zu überwinden waren, fiel es mir schwerer und schwerer diese zu überwinden. Ging es runter konnte ich sofort etwas an Tempo gewinnen. Im Kopf war jetzt auch öfters der Gedanke, dass es für die 5 Stunden Grenze eng werden könnte. Den Podestplatz hatte ich schon abgeschrieben. Aber aufgeben wollte ich mich weiterhin noch nicht. Alles was noch ging versuchte ich rauszupressen. Bis dann irgendwann hinter km54/55 beide Arme anfingen zu kribbeln, schwer wurden und ich schon ganz schön schnaufen musste. Da trotz ausschütteln das Kribbeln anhielt, und ich auch in flachen Streckenteilen Probleme bekam, beschloss ich Tempo rauszunehmen und nur noch sicher „heim“ zu laufen.

Beim letzten Wettkampf des Jahres muss man ja nicht auf Teufel komm raus alles riskieren. Die letzten Anstiege ging ich teilweise hoch, weil ich das Gefühl hatte total blau zu sein. So war es mir dann auch egal, als bei km 61,5 mich noch ein Läufer überholte. Was soll’s dachte ich mir. Ob Platz 5 oder jetzt Sechster……ist doch total unwichtig. Überraschenderweise lief ich dann doch in 5:05:03h auf Gesamtplatz 5 ein. Also entweder einer ausgestiegen oder auf der Strecke hatten sich die Leute verzählt? Aber wie bereits erwähnt….egal und unwichtig.

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Ich freue mich jetzt auf meine wohlverdiente Laufpause. Mein Körper hat ja anscheinend förmlich danach geschrien. Und auf seinen Körper hört man.

Danke an dieser Stelle an Dietmar und Michael! Michael ist einer vom Orga-Team gewesen, der mir die Übernachtung bei Dieter ermöglicht hat. Mit Beiden hatte ich die kurze Zeit in Remscheid sehr viel Spaß. Danke an Euch! Ihr seid echt super!

 

Ein (fast) perfekter Lauf beim 50. Jubiläumsmarathon in Berlin (25.09.2016)

Nachdem ich in der Juniverlosung des HTC diesen Mega-Hammer Preis gewonnen hatte, stand endlich der große Tag an. Oder besser gesagt die Tage, denn der Gewinn beinhaltete ja das ganze Wochenende mit Start, Unterkunft Athletenhotel und einem meet&greet mit den HahnerTwins.

Die Vorfreude darauf war natürlich immens groß. Immerhin würde ich meinen fünfzigsten Marathon laufen und das in Berlin. Die weltweit schnellste Strecke mit der besten Stimmung. Ich freute mich wahnsinnig auf alles, auch weil ich vollkommen entspannt war. Da ich in diesem Jahr schon alles erreicht was ich mir persönlich vorgenommen hatte, verspürte ich keinerlei Druck und wollte den Lauf einfach nur genießen.

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Nachdem ich am Freitag meine Startunterlagen abgeholt hatte, ließ ich den Tag in Ruhe ausklingen. Am Samstagvormittag noch kurz einlaufen, bevor das Treffen mit Anna und Lisa Hahner stattfand. Bevor es losging, hatte ich in der Lobby noch Gelegenheit mit einem weiteren Olympiateilnehmer, Philipp Pflieger, zu sprechen. Aber dann ging’s los….Fotos, Fragen und ein sehr kurzweiliges Gespräch ließen das meet&greet zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Und es sollte nicht das letzte Mal an diesem Tag/Wochenende gewesen sein, dass ich die beiden Mädels und Thomas Dold traf. Schon am Abend beim organisierten Pizzaessen von Mitgliedern des Hahner Twins Club kamen Anna und Thomas kurz hinzu. Der perfekte Abschluss eines schönen Tages.

Am Sonntag früh war es dann endlich soweit. Zusammen mit 40000 anderen Läufern stand ich im Startblock. Dort traf ich noch Carlos, einen Postler Kollegen, der gerne unter 3h Stunden laufen wollte. Ich war voller Adrenalin und Glückshormone, dass ich es kaum erwarten konnte das es losging. Mit einem Lächeln im Gesicht (das auch blieb) ging es über die Startlinie und auf die ersten Kilometer. Schnell fand ich meinen Rhythmus und das richtige Tempo. Obwohl ich mir kein konkretes Zeitziel vorgenommen hatte, wollte ich doch von Anfang an Druck machen. Vielleicht ging ja trotz der kurzen Regenerationsphase nach dem 100er etwas.

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Alles lief echt super und die Atmosphäre an der Strecke verschaffte mir ein ums andere Mal eine Gänsehaut. Meinen 50. Marathon erlebte ich fast wie im Rausch und ich genoss jeden einzelnen Meter. Es war einfach klasse. Zu keinem Zeitpunkt fühlte ich mich irgendwie schlecht oder hatte Probleme. Selbst als ich schon jenseits der 30km Marke war konnte ich mein Tempo halten. Sollten meine Bedenken also umsonst gewesen sein?!

Die letzten 7km brachen an und ich überlegte eventuell nochmal etwas zu riskieren, und das Tempo zu erhöhen. Mittenrein ging aber plötzlich fast nix mehr. Ich hatte auf einmal einen totalen Hänger und ich sah die letzten sechs Kilometer mich nur so dahinschleichen. Es waren doch nur noch ein paar Meter. Also blieb ich an der letzten Getränkestation stehen und trank so ungefähr 5/6 Becher. Man hatte ich auf einmal Durst. Dann wieder langsam in Bewegung gesetzt und auf einmal lief es wieder besser.

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Ich kam nochmal in meinem Rhythmus und erhöhte das Tempo leicht. Ganz schnell wurde ich zwar nicht mehr, aber zumindest konnte ich einige Läufer wieder überholen, die vorher an mir vorbei sind. Da bog ich auch schon auf die laaaange Zielgerade ein. Die Zuschauerreihen wurden dichter und das Brandenburger Tor immer größer. Jetzt einfach durchlaufen und die letzten Meter genießen und die Stimmung aufsaugen. Nach 2:48:40 hatte ich meinen Jubiläums Marathon gefinisht und war überglücklich. Unter 2:50h war ich diesem Jahr noch nicht gelaufen. Ein (fast) perfekter Lauf also, denn insgeheim hatte ich gehofft eine 2:45 zu laufen. Aber da hätte wohl wirklich alles passen müssen.

In der VIP-Lounge, wo ich ebenfalls Zugang hatte, traf ich dann nochmal Anna, Lisa und auch Thomas, die mir alle zu dieser super Zeit gratulierten. Danke an Euch kann ich da nur sagen. Besser hätte man meinem 50. Marathon wohl nicht planen können.

Ein Video vom Wochenende findet ihr unter der offiziellen HahnerTwins YouTube Seite.

Deutsche Meisterschaft über 100km am 20.08.2016 – Belohnung für die harten Trainingsmonate

Erst zum insgesamt dritten Mal überhaupt sollte ich eine deutsche Meisterschaft über 100km finishen. Den in den letzten beiden Jahren war mir dies durch unterschiedliche Umstände leider nicht vergönnt. Aus diesem Grund hatte ich auch für 2016 einen besonderen Fokus daraufgelegt. Und die beiden anderen DM’s über 50km und 6h, so gut wie sie auch liefen, sollten ebenfalls nur eine Station auf dem Weg zur diesjährigen deutschen Meisterschaft sein. Motivierend kam für mich dazu, dass mit Leipzig meine Heimatstadt Austragungsort war.

So reiste ich also am Donnerstag Abend voller Vorfreude und bestens vorbereitet in die Messestadt. Am Vorabend dann noch kurz bei der Nudelparty vorbeigeschaut, die Startunterlagen geholt und mit alten Freunden und Weggefährten geplaudert.

Am nächsten Morgen beim Aufstehen dann aber eine kleine Überraschung. Es regnete und dies ziemlich heftig. So war das Wetter aber nicht vorhergesagt worden. Es sollte erst am Nachmittag Schauer und Gewitter geben bei Temperaturen über 25°C. Naja, vielleicht hörte es ja bis zum Start noch auf. Doch daraus wurde nix, aber zumindest ließ der Regen etwas nach.                                                                                                                                            Pünktlich um sechs fiel dann der Startschuss zu den 29. Deutschen Meisterschaften. Wie erwartet zogen die Favoriten gleich davon, während ich versuchte schnell meinen Rhythmus zu finden. Eine festgelegte Zielzeit oder gar Platzierung gab es nicht. Ich wollte den Lauf einfach nur genießen und hoffte lediglich auf einen Platz unter den ersten Sechs.

Wie immer war der Plan mein Tempo von durchschnittlich 4:30 konsequent durchzulaufen, um dann hintenraus zu schauen was noch geht. Da irgendwann die Sonne, wie angekündigt, rauskommen sollte, würden da mit Sicherheit noch einige Athleten Probleme bekommen. Ich konnte mich da voll auf meine Qualitäten verlassen, Hitze und Schwüle besser verkraften zu können, als vielleicht manch Anderer. Die ersten beiden Runden vergingen für mich wie im Flug und schon zu dem frühen Zeitpunkt spürte ich, dass ich heute sehr gut drauf war, und ich einfach ruhig und sicher mein Stil laufen musste, um ein gutes Ergebnis zu erzielen.

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Alles lief wie geplant, als ich auf der fünften Runde die Marathondistanz erreichte. Nichts zu merken von ersten Anzeichen oder so. Es lief echt gut und, die ersten 50km konnte alle unter 45min auf 10km laufen. Jetzt ging es dann aber auf die zweite Streckenhälfte, wo auch das Wetter und eventuelles zu schnelles Angehen Probleme bereiten könnten. Und was passierte….. nichts. Auch die folgende, sechste Runde, lief ich mit 44:33 voll im Soll. Nur noch 4 mal durchlaufen, also nicht mal mehr ein Marathon. Immer noch gab es keine Hinweise auf eine Schwäche. Sollte diesmal wirklich alles gut gehen und womöglich die 7:30h drin sein?

Die drittletzte Runde beendete ich dann zwar über 45min, aber ich machte mir keine Gedanken. Denn ich wusste, dass ich auf die letzten Runde, wenn nötig, noch mal schneller laufen konnte. Dennoch wollte ich 30km vor dem Ziel kein Risiko eingehen und die nächste Runde etwas langsamer machen. Zum ersten Mal spürte ich zwar auch ein kleines Zwicken im rechten hinteren Oberschenkel, aber jetzt waren es ja nur noch 25km. Komm Junge, sagte ich mir, als ich in einer 47er Zeit durchlief, jetzt noch zehn Kilometer locker durchlaufen und dann haust Du auf den der letzten Runde alles raus was noch drin ist.

Doch aus irgendeinen Grund fiel es mir auf der vorletzten Runde schwerer den Schnitt zu halten und vor allem im Kopf fokussiert zu bleiben. Bis dahin war ich mental absolut da und konnte so kleine Schwächephasen überbrücken. War es vielleicht, weil ich wusste das mir der der bayrische Meistertitel eigentlich nicht mehr zu nehmen war? Nein, komm, weiter klar und zielgerichtet bleiben. Dass ich diese neunte Runde dann in fast glatt 50min absolvierte, machte mich nochmal richtig wach.

Jetzt raus auf die letzten 10km und den fünften Platz in der Gesamtwertung halten. Ja, zu diesem Zeitpunkt wusste ich diese Platzierung, was natürlich zusätzlich Kräfte freisetzte. Und da ich so „getrödelt“ hatte, war auch die 7:30h Grenze weg. Aber zumindest endlich mal wieder unter 7:40h….das wäre doch was!         Also immer wieder Tempo hochhalten, nach Kurven oder den Anstiegen forcieren, um das selbst gesteckte minimale Zeitziel doch noch zu erreichen. Gefühlt flog ich über diese letzte Runde und gab bis zum Schluss alles. Nach 7:38:45h überquerte ich mit einem „ja man“ die Zielmatte, und konnte damit bei deutschen Meisterschaften über 100km, mit Platz 5 Gesamt meine bisher beste Platzierung perfekt machen. Geht doch!

Wie schon erwähnt holte ich mir damit, nach einem Jahr Pause, den Titel des bayrischen Meister’s zurück. Doch damit nicht genug. Auch darf ich mich Deutscher Meister in der AK M40 nennen und mit dem SV Schwindegg den Mannschaftssieg bei der bayrischen Meisterschaft feiern. Drei Goldmedaillen also. Perfekter hätte es nur laufen können, wenn jetzt noch die 7:30h gefallen wäre. Aber ob dies aufgrund der Wetterverhältnisse und des nicht wirklich flachen Kurses überhaupt möglich gewesen wäre, ist reine Spekulation.

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Ich bin absolut glücklich und hochzufrieden. Ein solches Ergebnis bei einer DM und dann noch in meiner Heimat……besser geht’s fast nicht! Nun kann ich mir endlich die wohlverdiente (Ultra)Laufpause gönnen.

10 Jahre Metropol Marathon in Fürth …..wenn der Körper streikt (12.06.2016)

Nur gut eine Woche, genauer gesagt 8 Tage, nach meinem ersten Nacht Marathon, durfte ich schon wieder ran. Das zehnjähige Jubiläum beim Marathon in Fürth stand an. Das der Lauf vermutlich hart werden würde war mir vorher schon bewußt. Ist doch ein gute Woche nach einem Marathon und 3 Wochen nach dem Rennsteiglauf ein kurzer Zeitraum für zwei lange Läufe. Auch für einen Ultraläufer der hohe Wochenumfänge gewohnt ist. Da ich einen Freistart hatte und es ein Geburtstagslauf war wollt ich also auch an den Start gehen.

Das Wetter war optimal. Temperaturen um die 15°C, trocken und kaum Wind. Die angesagten und befürcheteten Gewitterschauer kamen glücklicherwiese erst nach dem Lauf.

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Geplant hatte ich, wie vor einer Woche, mit einem 4:00er Schnitt zu beginnen und dann schauen wie es mir nach 30km ging. Meine Hoffnung war insgeheim, daß sich der Körper vom etwas hügeligeren zweiten Streckenteil des Iller Marathon vielleicht über normal erholt hatte, und ich somit länger mein Tempo halte konnte. Möglicherweise sogar bis zum Schluß. Das würde dann ein Zeit unter 2:50 bedeuten. Realistisch gesehen wollte ich zwischen 2:50 und 2:55 ins Ziel kommen. Das müsste theoretisch machbar sein, Schließlich war ich vor einer Woche in 2:54h eingelaufen und das mit Höhenmetern.

Eigentlich war ich von Beginn an immer unter den Top6 mit Sichtkontakt zu den Podiumsplätzen. Lange konnte ich mit einem anderen Läufer zusammen laufen. Was sehr angenehm war. Zu zweit läuft es sich halt immer besser. Irgendwann legte ich eine kurze WC Pause ein und lief von da an allein. Kurzzeitig schneller zu werden, um wieder aufzuschließen hielt ich für wenig klug. Statt dessen lief ich mein Tempo wie geplant weiter. Stück für Stück kam ich auch an vor mir laufende Läufer heran. Es muss dann so bei km25/26 gewesen sein, als ich beide überholt habe.

Zu diesem Zeitpunkt fühlte ich mich noch gut, acu wenn ich meinen Schnitt nciht mehr konsequent halten konnte. Den Drittplatzierten sah ich so 350m vor mir. Da noch viele Kilomter zu laufen waren, versuchte ich ruhig zu bleiben. Ich wollte diese Runde; nach einer großen 21km Runde wurden zwei 10er Runden gelaufen; ruhig zu Ende laufen und dann schauen was noch ging.

Doch leider ging dann nicht mehr viel. Denn irgendwo bei km 33/34 oder 35 (ich weiß es echt nicht mehr genau oder will es nicht merh wissen) verspürte ich einen stechenden Schmerz in meiner linken Seite. Es fühlte sich an als wenn er von der linken Lendenwirbelseiet/Hüfte ausging. Jeder Auftritt schmerzte und dazu kam dass der linke Oberschenkelmuskel immer wieder zu machte. Als erste Maßnahme reduzierte ich das Tempo um so vielleicht „Entlastung“ zu schaffen. Um es aber kurz zu machen. Es wurde nicht mehr besser.Ich quälte mich Meter für Meter dem Ziel entgegen und musste dann auch noch einen Läufer passieren lassen. Somit war ich wie vor einer Woche auf Platz 5. Naja ist doch auch etwas.

Ich war jedenfalls froh als ich endlich dem Ziel entgegenlief und nach 2:57:01h die Qualen endlich ein Ende hatten. Richtig aufreten konnte ich mit den linken Bein kaum. Erst helfende Hände bei der Massage konnten mich etwas besser laufen lassen.

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Fazit: auch der Körper eines Ultraläufer hat Grenzen. Drei Wettkämpfe innerhalb von 4 Wochen sind dann halt doch zuviel des Guten. Aber zumindest waren die beiden Marathons ein super Tempotraining über mehr als 40km.

Harter zäher Kampf beim ersten Nachtmarathon ( 04.06.2016)

Nach dem Rennsteiglauf war eigentlich bis zum Fürth Marathon aktive Regeneration angesagt. Kurzfristig entschied ich mich aber beim 2.Iller Nacht Marathon mitzumachen. Eigentlich keine gute Idee, aber ich wollt in doppelter Hinsicht einfach mal was Neues probieren. Einmal aufgrund der kurzen, vielleicht zu kurzen, Erholungszeit. Und zum Zweiten, weil ich noch nie einem Wettkampf abends bzw. in der Nacht bestritten hatte.

So brach ich also am Nachmittag nach Immenstadt auf, wo sich der Start befand. Das Wetter sollte es gut mit uns Läufern meinen. Denn während des Laufes sollte es kaum bis gar nicht regnen. Die Temperaturen waren mit Werten um die 14°C optimal. Vielleicht hatte es eine etwas erhöhte Luftfeuchtigkeit durch den Regen und die warme Luft der letzten Tage. Aber ich persönlich spürte das gar nicht so. Viel schlimmer waren da die Pfützen und teilweise sehr schlammigen Wege auf der Strecke. Ging es doch über Natur/Waldwege mit wenig Asphalt.

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Vorgenommen hatte ich mir die erste Streckenhälfte bis ca. km24 im 4:00er Schnitt zu laufen. Danach begann es auf dem zweiten Teil hügeliger zu werden. Laut Streckenbeschreibung ging es dann bis km40 immer wieder auf und ab. Und um da noch genügend Kräfte zu haben, wollte ich am Anfang nix riskieren. Insgeheim wollte ich unter die Top3 kommen, mit der geringen Option auf den Gesamtsieg. Aber da müsste schon alles passen. Ein Minimalziel gab es natürlich auch. Im Fall der Fälle sollte es schon mindestens Platz 5 sein.

Von Anfang an kam ich gut rein und hielt auch mein geplantes Tempo konsequent. Ich lag hinter einer größeren Gruppe auf 11. Vor dieser Gruppe waren noch zwei weiter Läufer, die so bei km 4-5 wieder eingefangen wurden. Nach und nach fielen Läufer aus der Gruppe, so, dass ich bei Kilometer 10 schon auf Platz 8 war. Mittlerweile hatte sich der spätere Sieger auf und davon gemacht. Meine Zwischenzeiten blieben konstant und so lief ich „entspannt“ ca. 30m hinter der Gruppe in meinem Tempo auf Sicht. Da ich wusste das ich bestimmt noch ein paar Läufer überholen würde, blieb ich total ruhig. Irgendwo nach vor der Halbmarathonmarke hatte ich aufgeschlossen. Mein Tempo hatte ich aber nicht verändert, also musste es an der Laufweise der einzelnen Läufer in der Gruppe gelegen haben. Jedenfalls behielt ich meinen Rhythmus bei und bereitete mich mental schon auf die schwierigen Kilometer auf dem zweiten Teil vor.

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Als es in den ersten Anstieg ging, zerfiel dann aber leider auch schon der Rest der schon kleiner gewordenen Gruppe. Meine Hoffnungen das wir noch etwas länger zusammenlaufen würden, waren damit hinfällig. Ich versuchte mein Tempo beizubehalten und fand mich plötzlich auf Platz 3 wieder. Ein Läufer schloss dann noch auf, so dass ich nicht ganz allein musste. Zumindest schien das Minimalziel schon mal erreicht?! Die Option noch auf den Zweiten aufzulaufen, war genauso gegeben wie Platz 3 zu verlieren. Denn bei mir begann es nicht mehr ganz rund zu laufen. Der vor mir laufende Zweitplatzierte Wolfgang Sieder, vergrößerte den Abstand und die Anstiege fielen mir zunehmend schwerer. Das war wirklich blöd, weil der Zweite der direkte Konkurrent für den Altersklassensieg war. Doch es kam noch schlimmer, denn ich musste leider auch den Mitläufer ziehen lassen. Ich versuchte einfach ruhig zu bleiben und am Ende nochmal zu Kräften zu kommen.

Doch mit den weniger werdenden Kilometer und der immer mehr einsetzenden Dunkelheit wurde es immer schwerer für mich. Mir fehlten einfach die nötigen Kräfte um das Tempo zu halten. Trotzdem biss ich mich durch und wollte schlichtweg gut durchkommen. Der oben schon erwähnte schlammige Untergrund war da nicht gerade förderlich. Ich musste mich schon voll konzentrieren um nicht irgendwo zu rutschen oder gar zu stürzen. Platz 4 ist doch auch respektabel sagte ich mir, als ca. 4km vor dem Ziel mich ein weiterer Läufer überholte. Das ging ja nun gar nicht.

Mit aller Macht wollte ich an ihm dranbleiben, um mir den vierten Platz möglicherweise auf der Zielgerade wieder zurückzuholen. Witziger weise fragte er mich kurz, als ich wieder aufschloss, ob ich ein Staffelläufer sei. Ich antwortete nicht (konnte und wollte ich auch nicht) und versuchte alles um dran zu bleiben. Nur noch 1,5km ….komm nicht aufgeben.

Aber irgendwann ging es nicht mehr. Ich lief echt am Limit, ab einem bestimmten Tempo zuckte der hintere linke Oberschenkel. Der Kopf sagte zwar immer wieder: dranbleiben, Tempo halten. Doch die Beine und der Körper hörten nicht darauf. So quälte ich mich echt dem Ziel entgegen, was scheinbar immer weiter entfernt schien. Da die letzten 200m, von Fackeln beleuchtet, geschafft.

Völlig außer Atem und platt kam ich schließlich in 2:54:30h als Gesamtfünfter ins Ziel. Zumindest das Minimalziel erreicht. Am Ende muss ich damit zufrieden sein. Zwei Wochen Regenerationszeit ist, und bleibt, eben doch sehr wenig.

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6sec Vorsprung zum kleinen Glück – knappe Kiste beim Rennsteiglauf (21.05.16)

Mit über 18.000 angemeldeten Teilnehmern auf allen Strecken, wurde dieses Jahr beim legendären Rennsteiglauf ein neuer Rekord aufgestellt. Beim Supermarathon wurde erstmals die Marke von über 2400 Anmeldungen geknackt. Und wie immer kamen die Läuferinnen und Läufer aus allen Teilen Europas. Wieder einmal bestätigte sich, dass es der beliebteste Landschaftslauf ist.

Die äußeren Bedingungen waren mit Temperaturen um die 15°C und kaum Wind nahezu perfekt. Nur die insgesamt 1867 zu überwindenden Höhemeter sollten es nicht sein. Aber diese müssen ja alle Läufer bezwingen. Zumindest auf dem 72,7km „langen Kanten“.

Mein Wunschziel hieß zwischen 5:45 und 5:50 zu laufen, was gleichzeitig eine neue Bestzeit bedeutet hätte. Aber eigentlich gab es 2 persönliche Vorgaben. Denn ich wollte gerne in die Top10 kommen, was ich bis dato noch nie geschafft hatte. Dieser Wunsch war so stark, dass ich dafür sogar eine schlechtere Zeit in Kauf nehmen würde.

Für den Fall das es Probleme gab, oder es doch nicht so lief wie erwartet, war das Minimalziel unter 6h zu bleiben. Ich hatte mir auch ein Mantra ausgedacht: „offensiv verhalten“ wollte ich laufen. Klingt eigentlich ein wenig widersprüchlich, bedeutete aber nix anderes, als dass ich aufwärts das Tempo hochhalten wollte. Auf den Abwärts – und Flachpassagen dafür dann nicht zu viel Tempo machen bzw. nicht zu schnell werden. Denn die Zeit die man an den Anstiegen logsicherweise verliert, kann man nicht 1zu1 wieder aufholen.

Das bedeutete bei mir, gesehen auf die Gesamtstrecke, dass ich einen Schnitt von 4:44/45 laufen musste. Die flachen Stücke wollte ich im 4:30er Schnitt laufen. Damit sollte ich die „verlorene“ Zeit von den Anstiegen wieder „auffangen“ können. Sicher hätte ich auch einen 4:15er Schnitt oder noch schneller laufen können, aber das konnte ich zum Ende hin ja immer noch tun, wenn’s der Körper hergibt.

So gerüstet ging es dann auch pünktlich um 6.00Uhr für mich und alle anderen vom Marktplatz Eisenach los. Von Anfang an kam ich gut rein und fand auch immer wieder kleine Gruppen, und bewegte mich dabei zwischen Platz 8-12. Ging es abwärts war ich meistens hintendran. Und wenn es hoch ging konnte ich wieder aufschließen bzw. vorbeiziehen. Sollte sich das Berg- und Hügeltraining doch bezahlt gemacht haben? Vorm Anstieg zum Inselsberg nahm ich etwas Tempo raus, weil ich wusste wie heftig der Weg nach oben werden würde. Das steilste Stück konnte ich laufend und nicht gehend absolvieren. Noch unter 2h durchlief ich die erste Zeitkontrolle bei 25,2km.

Jetzt nur weiter ruhig und konzentriert bleiben sagte ich mir. Auch die „Kopfprobleme“ vom letzten Jahr, zwischen km 30 und 40 kamen nicht. Relativ locker ging es durch die Halbzeit und den direkt anschließenden Verpflegungspunkt „Ebertswiese“. Bis auf den Anstieg gleich danach, wusste ich, dass jetzt die Kilometer kamen, wo man es richtig rollen lassen konnte. Ein sehr gemeiner steiler Anstieg (ca. km 42/43) war da noch drin, aber auch da kam ich ganz gut durch. Zwar ging ich da ein Stück. Aber dies eher um etwas Kräfte zu sparen. Vom Gefühl her lag ich gut in der Zeit. Auf die Uhr schaute (und wollte ich auch nicht) ich nicht. Denn im Endeffekt bringt es ja nichts. Bist du gut in der Zeit, verleitet Dich das nur dein Ziel eventuell nach oben zu korrigieren, was natürlich fatale Folgen haben kann. Bist Du zu langsam, nützt es nix das Tempo anzuziehen, um dann eventuell zum Schluss hin platt zu sein.

Bei einem Anstieg irgendwo hinter km50 spürte ich dann aber zum ersten Mal ein leichtes Ziehen im rechten Oberschenkel, direkt über dem Knie. Natürlich machte ich mir erstmal keine Gedanken. Immer positiv denken und bleiben. Am „Grenzadler“ (km54,4) versorgte ich mich nochmal ausgiebig. Ich nahm viel Salz, trank ausreichend und hoffte damit mögliche anstehende Krämpfe zu verhindern bzw. sie weit hinauszuzögern. Mein Mantra behielt ich weiter bei. Doch leider wollte es an den Anstiegen überhaupt nicht mehr offensiv gehen. Dazu kam noch mein persönlicher ungeliebter Streckenabschnitt bei km59/60, wo es über gefühlte 2km langsam, aber stetig bergauf ging. Bis am Ende zum höchsten Punkt der Strecke, dem Beerberg ( 980m).

Um nicht hinten raus in Probleme zu geraten, blieb mir nichts Anderes übrig, als es nun aufwärts langsamer anzugehen. Ich suchte ich mir das Tempo, bei dem ich merkte jetzt beginnt der Muskel zuzumachen, und blieb knapp unterhalb dessen. Die „flachen“ Passagen konnte ich nachwievor im 4:30/35 Schnitt laufen. Bis zum Verpflegungspunkt „Schmücke“ (km 64) versuchte ich einen guten gleichmäßigen Rhythmus zu finden, um dann auf die letzten neun Kilometern nochmal alles zu probieren. Trotzdem tat jetzt jeder Anstieg weh, obwohl ich weiterhin, wie fast den ganzen Lauf über, ein Lächeln im Gesicht hatte. Warum auch nicht!? Denn es zwar anstrengend, aber es ist auch anstrengend, wenn man nicht lächelt.

Meine Wunschziele hatte ich da schon lange soweit korrigiert, dass ich nun um die 5:55h einlaufen wollte. Oben auf der Schmücke angekommen, „tankte“ ich noch mal voll. Auf ging’s zu den letzten Kilometern. Tatsächlich konnte ich nochmal richtig Fahrt aufnehmen und hatte teilweise sogar einen Schnitt von 4:15 drauf. Aber gut, bis auf eine letzte Steigung, ging es ja auch nur noch abwärts. Diese versuchte ich nochmal voll am Limit, sprich bis zum beginnenden Krampf, zu laufen. Geschafft! Da dieses Jahr beide Schilder für die Kilometer 70 und 71 fehlten, schaute ich bei gefühlten 71,5km zur Sicherheit doch mal lieber kurz auf die Uhr.

im Ziel angekommen
im Ziel angekommen

Oh…eine 5:52h… das könnte wirklich eng werden. Also komm nochmal Gas geben, Tempo hochhalten und alles geben. In Ansätzen wollte nun zwar auch im Flachen der Muskel zumachen. Nix da weiter schnell und im Kopf locker bleiben. Da der „rote Lappen“, das Zeichen für die letzten 1000m. So jetzt die letzten Kräfte mobilisieren und auf ins Ziel. Mit höchster, mir noch zur Verfügung stehenden Schnelligkeit, bog ich auf die lange Zielgerade und kämpfte bis zum Schluss. In 5:59:44h lief ich, völlig außer Atem, über die Zeitmatte ins Finish.

Das nennt man dann wohl eine Punktlandung.

Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste. Hätte ich nur ein, zwei Prozent nachgelassen, hätte ich mich sehr wahrscheinlich zu Tode geärgert. Denn zu meiner großen Überraschung wurde ich als 16. Gesamt, in meiner Altersklasse Erster. Und der Zweitplatzierte war nur 6sec. direkt hinter mir eingelaufen. Wie knapp war das denn?

Da hat sich das Kämpfen unter Krämpfen wirklich gelohnt.

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„Wings for life Run“ – Lauf für guten Zweck unter verschärften Bedingungen (8.05.16)

Beim diesjährigen weltweiten Spendenlauf wurde für die Rückenmarksforschung gelaufen. Das Wetter sollte heiß werden. Am Ende wurden es an die 25°C mit einem echt lebhaften Wind, der auf gewissen Streckenabschnitten richtig eklig war.

In den Tagen vor dem Lauf hatte ich mich mit leichtem Durchfall und Kopfschmerz zu kämpfen. Erst ab Freitag Abend wurde es etwas besser. Keine guten Voraussetzungen für einen langen Lauf bis zu 60km. Denn das hatte ich mir vorgenommen. Naja Minimum sollten 50-55km sein und dann halt schauen was noch geht. Oder besser gesagt wo das Catcher Car bleibt. Denn der World Run ist der einzige Lauf wo einem die „Ziellinie“ in Form des Catcher Cars überholt.

Vor dem Start hatte ich die Gelegenheit mit einigen Freunden/Bekannten wie z.B. Ultralaufkollege Carsten Stegner oder Postlerkollege Fredl zu fachsimpeln. Natürlich begrüßte ich auch kurz die Hahner-Twins und ihrem Trainer Thomas Dold. Kurz bevor es losging kam ich dann noch mit einer Läuferin aus Österreich (Karin Freitag) ins Gespräch. Sie hatte mitbekommen, dass ich mindestens 50km laufen wollte, was ebenfalls ihr Ziel war. Also vereinbarten wir solange wie möglich zusammen zu laufen.

Dann ging es los und die ersten Kilometer war es echt schwer einen Rhythmus zu finden. So viele Läufer die unterschiedlich schnell unterwegs waren. Der eine wollte schnelle 10km laufen, der Andere vielleicht bis Halbmarathon und so weiter. Aber Schritt für Schritt fanden wie unsren Schnitt von 4:05min. Bis Kilometer 24 lief alles super und wir hatten sogar das Glück teilweise in einer Gruppe laufen zu können.

Doch an km24 hatte ich das Gefühl von Beton in den Oberschenkeln und es viel mir schwer überhaupt noch im Rhythmus zu bleiben. Karin und Andere musste ich erstmal ziehen lassen. Ich ging es etwas langsamer an und hoffte das ich irgendwann wieder besser reinkam. Zu meiner Freude sah ich dann Danilo Friedrich per Fahrrad neben mir. Er wusste von dem Lauf und wollte mich moralisch, und als Wasserträger, etwas unterstützen. Mir ging es zwar noch nicht viel besser, aber zumindest tat es gut, jemanden zu haben der einen unterstützt.

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                                                               Leider muss ich sagen, dass ich einfach nicht mehr in einen Laufrhythmus kam. Stattdessen gingen die Zeiten auf unter 5:00er Schnitt zurück. Die Hitze und der sehr lebhafte Wind machten es natürlich nicht besser. Zumindest bis zur Marathonmarke wollte ich eigentlich schon kommen. Vielleicht war das ja auch ein Grund warum es nicht lief: einfach zu viel Kopf und Gedanken.

Als dann die Marathonmarke in Sicht war und auch vom Catcher Car noch nicht zu sehen oder hören war, fühlte ich mich etwas erleichtert. Carsten hörte beim Marathon auf, weil er wie ich den Rennsteiglauf in 2 Wochen macht und dafür fit sein möchte. Ich war etwas verwundert, weil 2 Wochen Regeneration ist ja mehr als genug, da kann man doch noch etwas länger laufen. Aber es war seine persönliche Entscheidung. Bei km43 kam noch ein Getränkestation an der ich länger stehen blieb, um nochmal kräftig „aufzutanken“. Jetzt zählte für mich die 45km Marke. Doch erst mussten mich 4-5 Läufer überholen, bevor ich plötzlich wieder in Tritt kam. Dazu hörte man schon das Catcher Car, obwohl es noch etwas weg war. Mit einmal lief es wieder, Zeiten von 4:15 und drunter kein Problem!?

Nach und nach holte ich die vor mir laufenden Läufer wieder ein und hielt das Tempo weiter hoch zu halten. Jetzt versuchte ich mich von Kilometer zu Kilometer zu kämpfen. Als ich bei km 47 war überholten mich zuerst die beiden vorrausfahrenden Polizei Motorräder. Lange würde es nun nicht mehr dauern. Aber es kamen auch noch zwei Radlfahrer bevor das Catcher Car vorbeifuhr. Ich ließ aber nicht locker und sah auch schon dass Schild mit der Aufschrift Km48. Das wollte ich jetzt auch noch knacken….und tatsächlich schaffte ich es. Danach rollte ich locker aus und jubelte als das Auto mich dann überholt hatte. Ein echt komisches, wie gleichzeitig super Gefühl, von der „Ziellinie“ überholt zu werden.

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40 Jahre Leipzig Marathon – entspanntes Jubiläum in der Heimat (22.04.16)

Nachdem ich in der vergangenen Woche den Dreiburgenlandmarathon gewonnen hatte, heiß es diesmal ganz entspannt laufen und geniessen. Denn normal sollte man nicht innerhalb von 7 Tagen zwei Marathons absolvieren. Aber andererseits, was ist bei einem Ultraläufer schon normal.

Jedenfalls hatte ich mir vorgenommen den Geburtstagsmarathon in meiner Heimat ohne jegliche Ambitionen anzugehen. Einfach meine Stadt wieder neu entdecken und alte Bekannte an und auf der Strecke wiedersehen. Das Wetter war mit kühlen 7°/8° Grad und einem frischen Südost-Wind nicht grad angenehm, aber ich wollte ja eh nicht „voll laufen“. Also egal.

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Naja ich wollte zwar nicht voll laufen, aber eine kleine persönliche Vorgabe hatte ich mit schon gesetzt. Geplant war einen konstanten 4:00er Schnitt zu laufen und dann eventuell zu schauen, was gegen Ende des Rennens möglich war. Doch wie immer kam alles anders als gedacht.

Die ersten Kilometer kam ich ganz gut rein und fand auch gleich eine Gruppe. Dort lief ich meistens vorneweg und machte das Tempo. Zu dieser Gruppe gehörte auch die erste Frau Laura Clart. Mit gerade einmal 21 Jahren lief sie ihren allerersten Marathon. Laut ihrem Trainer war zwar keine genaue Endzeit geplant, aber eine 2:52h wäre schon super. Natürlich verbunden mit dem Gesamtsieg. Vom Trainer kamen auch ab und Ansagen nicht unbedingt in unsrer Gruppe bleiben zu müssen, sondern ihr Tempo zu laufen. Denn eigentlich sollte sie so 4:05min laufen.

Spontan entschied ich mich dann meine eigenen Pläne zurückzustellen und als Tempomacher für Laura zu fungieren. So gab ich ihr immer wieder Windschatten und gab auch die Zeiten durch wenn wir mal schnell waren. Unsre Gruppe war mit Jörg Matthe und Sören Schramm auch sehr prominent besetzt. Der eine ist Landesmeister über 100km und Jörg ein sehr bekannter Läufer in und um Läufer und Sportladenbesitzer. So liefen wir sehr gleichmäßig und gemeinsam der Halbmarathonmarke entgegen.

So bei km17 wurden aus unserer Gruppe dann größer, so ca. 15 Läufer, weil eine andere Gruppe zu uns aufschloss und kurze Zeit später auch weiterzog. Fand ich schade, denn es war eine richtig gute Gemeinschaft, die länger hätte zusammen bleiben müssen. Ich prophezeite den anderen aus unsrer zurückbleibenden Gruppe, dass spätestens bei km30 die andere Gruppe auseinanderfallen würde und zu kämpfen hätte. Und was soll ich sagen…..genau so kam es auch. Aber zurück zu mir/uns.

Alles lief gut. In 1:25h beendeten wir die erste Runde und waren noch alle gut drauf. Laura’s Trainer mahnte immer wieder ruhig zu blieben und nicht schneller zu werden. Ich versuchte, direkt neben bzw. vor ihr laufend sie auch immer wieder zu bremsen. Denn mein Gefühl sagte mir das sie auf den letzten Kilometer Probleme bekommen könnte. Einfach den Schnitt halten und dann wird das eine gute Zeit sagte ich ihr. Mittlerweile waren wir bei km25/26 nur noch zu dritt und von einer homogenen Gruppe nichts mehr zu sehen. So früh hatte ich das nicht erwartet.

Als die letzten 10 Kilometer anbrachen spürte ich das Laura Probleme hatte das Tempo zu halten. Nicht nur ihr Trainer, auch ich, versuchte sie immer wieder zu unterstützen und zu motivieren. Auch wenn wir etwas an Tempo verloren, ihr Laufstil war immer noch super. Die Entfernung zum Ziel wurde kürzer, aber leider konnte Laura das Tempo nicht mehr mitgehen. Mir persönlich ging es natürlich gut. War ja auch ein besserer Trainingslauf ohne die wirklich große Verausgabung. Aber um mich ging es ja (schon lange) nicht mehr.

Ich wollte das Laura so gut wie möglich durchkam und die Zeit noch respektabel war. Der Windschatten und das Motivieren waren dabei die einzigen Hilfsmittel die ich noch geben konnte. Dennoch wurden wir um km38 nochmal etwas langsamer (4:15min) und ich hoffte nur das sie nicht zu sehr einbrechen würde. Laut Trainer war der Sieg da schon nicht mehr gefährdet. Aber da gab es ja noch die Zeit von 2:52h. Die letzten beiden 1000m konnte wir das Tempo noch mal etwas noch oben setzen, aber man sah Laura jetzt an das sie kämpfen musste.

Als wir auf die Zielgerade einbogen animierte ich die Zuschauer für die erste Frau zu klatschen. Und natürlich motivierte ich Laura das sie es gleich geschafft hatte. Natürlich ließ ich ihr dann die Ehre den Zieleinlauf und Gesamtsieg zu genießen und blieb ein paar Meter hintendran. In 2:53:47h lief Laura als jüngste Marathonsiegerin beim Leipzig Marathon ins Ziel ein und bedankte sich nach der Ziellinie bei mir für die Unterstützung. auch ihr Trainer gab mir die Hand und sagte Danke. Für mich ging ein wirklich schöner (bis auf das Wetter) Jubiläums Marathon in meiner Heimatstadt zu Ende, bei dem ich ein gutes Tempotraining absolvieren konnte. Alles in allem ein super Lauf.

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Jetzt gilt es nochmal 3 Wochen das Training zu intensivieren, um für das nächste große Ziel, dem SuperMarathon beim Rennsteiglauf, topfit zu sein.

15 Jahre Dreiburgenlandmarathon – Jubiläumslauf mit Schmerzen (16.04.2016)

 

Wenn man nur 2 Wochen nach einem 6h Lauf einen Marathon laufen will, kann man dies natürlich machen. Jedoch sollte man bedenken das eine Bestzeit dann wohl eher unwahrscheinlich ist. Dennoch hatte ich beim Dreiburgenlandmarathon in Thurmansbang den Streckenrekord zumindest im Hinterkopf.

Viel entscheidender war für mich aber die Frage ob die 14 Tage Regeneration ausreichend waren oder nicht? Immerhin hatte ich mich in Nürnberg ja nicht geschont, sondern bis zum Schluß alles gegeben. Mein Gefühl war eigentlich ein Gutes und so reiste ich entspannt und mit Vorfreude am Freitag an. Da mich mittlerweile einige Menschen dort kennen, gab es auch gleich nach meiner Ankunft am Hotel Schürger die ersten Gespräche bzw. Fachsimpelei. Dies setzte sich am Abend bei der obligatorischen Nudelparty fort, und führte sogar soweit dass ich einige Läufern noch Tipps für den Lauf gab.

Da der Start direkt am Hotel liegt, konnte ich in aller Ruhe ausschlafen und frühstücken. Mit über 350 gemeldeten Teilnehmern auf allen Strecken (5/12,5/ HM und M) gab es einen neuen Rekord zu verzeichnen. Darunter waren auch viele internationalen Gäste aus Russland, Schweden oder Österreich, die diese kleine feine Laufveranstaltung im südlichen bayrischen Wald für sich entdeckten.

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Pünktlich um 10.00 war der Start für den Marathon. Die äußeren Bedingungen waren nahezu ideal. Bei Temperaturen um die 10°C und leicht bewölkten Himmel ging es auf die Strecke. Den einzigen wirklichen Konkurrenten im Kampf um den Gesamtsieg war Stefan Heigl. Er war schon bei meinem ersten Sieg hier auf Platz 2 eingelaufen und hatte bestimmt wie ich große Ziele. Gleich zu Beginn hat es die Strecke in sich, denn es geht auf dem ersten Kilometer gleich mal 100HM hoch. Insgesamt sind auf den zweimal zu durchlaufenden Rundkurs 850HM zu bewältigen. Also schon nicht ganz ohne.

Von Anfang an war es dann auch das erwartete Bild. Stefan und ich liefen vorneweg. Die ersten Kilometer hatten wir zwar noch einen dritten Läufer als Begleitung, aber relativ schnell fiel dieser hinten ab und wurde am Ende Gesamtfünfter. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen mein Tempo zu laufen. Unabhängig wer an der Spitze läuft. Denn die Erfahrung aus 2014 hatte mir gezeigt das ich auf der zweiten Runde der stärkere Läufer sein müsste. Da ich nun aber mit Stefan zusammen lief, änderte ich diese Vorgabe und jetzt wollte ich gleich mit ihm mitlaufen.

Ob das im Nachhinein die richtige oder falsche Entscheidung war, ist rein spekulativ. Jedenfalls waren am Anfang wir mit einem 3:58/4:00 Schnitt unterwegs. Eigentlich zu schnell sagte ich mir. Aber da ich mich ganz gut fühlte korrigierte ich erstmal nichts. Deutlich wurde aber das ich an Anstiegen besser war, während Stefan abwärts ein paar Meter Vorsprung hatte. Zusammen beendeten wir den Halbmarathon in 1:23h. Auf ging’s in die zweite Runde. Und wie schon zu Beginn, gleich wieder den ersten langen Anstieg hoch.

Mittlerweile merkte ich nämlich, dass ich heute doch nicht so gut drauf war und dass es vielleicht eine enge Kiste werden könnte. Taktisch hieß das für mich jetzt gut zu überlegen. Immer noch ein paar Körner für einen eventuellen „Schlußspurt“ aufheben. Glücklicherweise spürte (und hörte) ich wie auch Stefan schon am Anfang der zweiten Runde zu kämpfen hatte. Kurz vor der ersten Verpflegungsstation bei km5 (bzw. 26) ging es nochmal kurz aufwärts. Mitten im Anstieg sah ich plötzlich das Stefan nicht mehr mitkam. Ich wunderte mich kurz, behielt mein Tempo bei und war von da an allein. Also es gibt Schlimmeres als das, aber ich hatte gehofft noch länger mit ihm laufen zu können. Zu zweit läuft es sich gefühlt einfach ein Tick einfacher. Aber undankbar war ich auch nicht.

Denn auch bei mir meldeten sich die ersten Krämpfe. So früh, und ein Sch…. ging durch meinen Kopf. Doch das nutze ja nix. Ich nahm gleich ein wenig Salz zu mir und suchte das Schwellentempo. Also den Bereich, wo man grad noch laufen kann, bevor der Krampf wieder anfängt. So gesehen war es ganz gut das auch Stefan Probleme hatte. Nach dem Lauf sagte er mir, dass er sich Dehnen musste, weil bei ihm der Muskel am Anstieg Probleme gemacht hatte. Ich konnte meinen Schnitt natürlich auch nicht mehr halten und hatte mich schon lange vom Streckenrekord verabschiedet. Jetzt ging es nur noch um den Sieg. Nach ca. 31km kam ich zwar wieder etwas besser in Tritt, aber ich merkte das mein Tempo einfach nur schlecht war.

Im Kopf, dass Stefan doch noch einmal auflaufen könnte, versuchte ich auch immer ein paar Kräfte zu sparen. Am Dreiburgensee sah ich dann aus den Augenwinkeln Stefans rotes Laufshirt. Ich würde schätzen so 300m. Das war der der Ansporn für mich nochmal „Gas“ zu geben und nicht noch langsamer zu werden. Vom See aus sind es immerhin noch über 5km. Also Füße in die Hände und die letzten Reserven mobilisieren. Auf dem langen Stück zwischen der Bründl Kapelle und dem Friedhof Thurmansbang kam ich nochmal in Schwung und nahm die letzte Steigung mit den restlich verbliebenen Kräften. Am Ende des Anstiegs ging es links weg und nur noch flach bzw. abwärts dem Ziel entgegen. Ich blickte mich also einmal kurz um ob ich Stefan sah ….und nichts.

Jetzt war ich mir auch sicher, dass ich gewinnen würde und ich verspürte eine große Erleichterung. Mit einem kurzen Blick auf die Uhr sah ich das auch die Zeit nicht optimal war (um es höflich zu formulieren). Aber egal. Ziemlich fertig du k.o. lief ich in 2:53:58h als Gesamtsieger über die Ziellinie. Stefan kam rund 2min hinter mir ein. Hatte sich das Aufbäumen auf den letzten 5km doch noch ausgezahlt.

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Schlussendlich muss man konstatieren, dass für diesen Marathon mit Höhenmetern die Regeneration doch zu wenig war. Doch primäres Ziel war ja der Gesamtsieg und das hab ich geschafft. Der Streckenrekord kann ja dann nächstes Jahr fallen, wenn keine DM 6h vorher ist

 
Ziel erreicht, Traum leider nicht ganz erfüllt   –  DM 6h Lauf in Nürnberg (02.04.2016)

Nach monatelanger Vorbereitung stand am Wochenende endlich die deutsche Meisterschaft der DUV über 6h an. Alle Vorzeichen standen gut und ich reiste mit den Vereinskameraden voller Zuversicht nach Nürnberg. Die äußeren Bedingungen waren eigentlich nahezu optimal. Die Temperaturen lagen während des Laufes bei leicht bewölkten Himmel zwischen 10° und 17° Grad. Nur der lästige Ostwind auf dem ersten Teil der „nur“ 1,552km langen, oder sollte ich besser kurzen, Runde störte etwas.

Pünktlich um 10.00 fiel der Startschuss und über 240 Teilnehmer setzten sich in Bewegung. Nachdem ich mich bei den letzten 6h Meisterschaften, im letzten Jahr in Otterdorf, dazu verleiten ließ die ersten Runden zu schnell anzugehen, wollte ich es diesmal besser machen. Also schaute ich nur auf mich und versuchte mein geplantes Tempo von 4:25/30min pro km konsequent durchzuziehen. Dass die Favoriten ihr eigenes Tempo vorlegten interessierte mich nicht. Mein persönlich erklärtes Ziel waren die 80+x und das wollte ich mich irgendwelchen Tempospielchen nicht torpedieren. Das bei einer so kurzen Runden Überrundungen ständig passierten ist nur logisch. Dieses Schicksal würde natürlich auch mich irgendwann treffen. Ich hatte zwar erst so um Runde 20 damit gerechnet, aber leider geschah es dann doch schon etwas früher. Zuerst flog der spätere Zweitplatzierte Matthias Dippacher an mir vorbei und kurz danach auch der Titelverteidiger Adam Zahoran.

Doch das störte mich nicht im Geringsten. Ich zog weiter meinen Plan durch und der hieß Runde für Runde konstante Zeiten laufen. Nur das ich bis zur Mitte des Rennens irgendwie nicht so richtig in den Lauf fand wie ich wollte, bereitete mir Sorgen. Und je mehr es an die 3 Stunden Grenze ging, kamen seltsamerweise Gedanken ans aussteigen in mir hoch. Warum eigentlich, lief doch alles nach Plan. Vielleicht lag es daran, dass in der vorangegangen Woche einige Dinge geschehen waren, die mir keine Ruhe ließen. Schon die letzten Tage vor dem Wettkampf kreisten sie ständig in meinem Kopf. Mit anderen Worten: Ich war nicht ganz frei im Kopf. Eigentlich nicht gut für einen so langen Wettkampf wo gerade auch die mentale Stärke zählt.

Das ich dann doch irgendwann noch frei wurde, lag auch an den richtigen Worten und der Motivation von einigen Mitläufern. Danke hier auch nochmal an das Team Icehouse. Die Ultralaufgemeinde ist halt wie eine große Familie, man hilft sich gegenseitig.

Nach und nach kam konnte ich mich fokussieren und hatte wieder mein Ziel vor Augen. Alles lief optimal, mein Tempo war weiterhin hoch und die Hälfte war ja auch schon geschafft. Nun galt es für die letzten beiden Stunden das weitere Vorgehen zu bestimmen. Bis zur fünften Stunde wollte ich einfach so weiterlaufen, um dann, wenn möglich in der letzten Stunde noch ein Tick schneller zu werden. Sollte dies nicht gelingen, wollte ich zumindest die letzten 30min nochmal alles aus mir rausholen.

Gegen Ende der fünften Stunde aber ein kleiner Rückschlag. Mit 15sec über der Zeit lief ich meine langsamste Runde. Doch das war nur der Ansporn den ich nochmal gebraucht hatte. Sofort versuchte ich das Tempo wieder anzuziehen um auf meinen Schnitt zu kommen. Dies gelang auch und ein Blick auf meine Uhr sagte mir dass es sich am Ende ausgehen müsste mit dem geplanten Ziel. Doch da gab es ja noch den Traum vielleicht sogar die 81km Marke zu knacken.

Also gab ich in den letzten beiden Runden alles, steigerte das Tempo und konnte die letzte komplette Runde sogar mit einer 6:40er Zeit abschließen. Wie jeder Teilnehmer bekam ich ein Stöckchen mit meiner Startnummer, was ich nach Ablauf der 6h und dem ertönen des Signal ablegen musste. Die sogenannten Restmeter hielt ich weiter voll drauf um die Marke eventuell doch zu knacken. Das es am Ende offiziell doch „nur“ 80,836km wurden….shit happens. Ich hatte mein Ziel erreicht und eine neue Bestmarke aufgestellt. Meine Pulsuhr zeigte zwar knapp 82km an, aber bei Wettkämpfen gilt nun mal die offizielle Vermessung und nicht das GPS.

Aber das weiß man ja vorher. Das ich mit dieser konstanten Laufweise noch unter die Top 6 bei den Männern kam, war für mich selbst überraschend. Die meiste Zeit lag ich auf den bereitgestellten Monitoren auf Platz 10. Gut irgendwann hab ich dann auch nicht mehr drauf geschaut, aber ehrlich gesagt hatte ich nicht damit gerechnet. Da die ersten 6 Männer im Gesamteinlauf geehrt werden, durfte ich bei der Siegerehrung ein weiteres Mal nach vorne. Dazu kam der zweite Platz in meiner Altersklasse. Mehr war da einfach nicht drin. Dafür war Carsten Stegner an diesem Tag zu gut drauf. Das muss man dann aber anerkennen.

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Völlig überraschend konnten wir als Team den 2.Platz in der Mannschaftswertung Herren belegen. Keiner hatte damit wirklich gerechnet. Denn zu stark und mit vielen Läufern am Start sind eigentlich u.a. Teams wie die LG Nord Berlin Ultrateam, die sich am Ende Platz 1 und 3 sicherten, oder LG DUV. Und wir hatten weiteren Grund zu Freude. In der Wertung Mannschaft Herren 50+ konnten sich, mit gerade einmal 300m Vorsprung zwar knapp, unsere Jungs den Titel Deutscher Meister sichern. Und mit dem Sieg in seiner Altersklasse M60 darf sich Rainer Leyendecker ebenfalls deutscher Meister nennen.

Das ganze angetretene Team des SV Schwindegg bot hervorragende Leistungen und überzeugte durch absoluten Kämpferwillen und Teamgeist. Toll teil dieser Mannschaft sein dürfen.

Berlin ist doch immer eine Reise wert!  –  DM 50km in Berlin am 5.03.2016

Endlich war es soweit. Am ersten März Wochenende stand der erste Ultra auf dem Programm. Noch dazu gleich eine deutsche Meisterschaft, und zwar die über 50km. Meine Vorbereitung war top verlaufen und ich reiste voller Zuversicht nach Berlin.
Leider brachte eine kurzfristige Standortänderung der Veranstaltung vom Olympiaparkgelände nach Treptow-Köpenick etwas Unruhe in das Läuferfeld.  Für die Organisatoren war es natürlich eine Katastrophe zwei Wochen vorher nochmals alles umstellen zu müssen. Danke an dieser Stelle an den DFB der zwei Fußballspiele kurzfristig an diesem WE ansetzte, eines davon ein Risikospiel mit erhöhten Polizeieinsatz. Fussball ist scheinbar doch wichtiger alles andere in der Welt? Egal, denn mich freute dies sogar. Jetzt war es zumindest ein schöne schnelle 5km Runde durch den Plänterwald.

Mein Ziel war mindestens den Gewinn der Altersklasse und den damit verbundenen Meistertitel. Natürlich war auch eine neue Bestzeit mein Ansinnen. Die Alte war immerhin schon 3 Jahre alt und entsprach eigentlich nicht mehr meinem derzeitigen Leistungsniveau. Was aber nicht bedeutet, dass die alte Bestmarke von alleine fällt. Trotzdem war ich mir relativ sicher schneller zu sein als  3:27h.
Und da man mit Druck nur verkrampft, nahm ich mir vor ohne größeren Druck, dafür mit viel Selbstbewußtsein und Gelassenheit zu laufen. Meine Tempovorgabe sah einen 4:00er Schnitt vor, den ich auch von Anfang an gut halten konnte.

Die ersten Runden brauchte ich etwas, um in die Gänge zu kommen. Nachdem ich anfangs der dritten Runde meine einzig wirklich ernsthaften Konkurrenten um den AK Sieg Dirk Kiwus überholt hatte, kam ich immer besser in den Lauf. Ich konnte mein vorgegebenes Tempo immer locker halten und lief Runde für Runden sehr konstant. Dies war auch möglich durch eine super Betreuung durch Rainer Leyendeckers Frau Marlyn, die nicht nur mich sondern alle SV Schwindegg Läufer, bestens versorgte.

Bis km 40 lief alles glatt und ich kam super durch. Ich konnte sogar auf eine 3:19er Zeit spekulieren. Meine Beine zeigten auch (noch) keine Ermüdungserscheinungen, ich musste, das erste Mal überhaupt, in einem Ultrawettkampf nicht kurz austreten. Beim Beenden der 8.Runde zeigte die Uhr 2:39:58. Das bedeutete 2sec Zeitpolster für die 3:19h. Und nur noch zwei Runden zu laufen.

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Das sah richtig gut aus. Auf der letzten Runde hatte ich mir vorgenommen nochmal zu beschleunigen wenn es möglich war. Doch vorher musste ja noch die 9.Runde absolviert werden. Es fühlte sich alles immer noch gut an……bis bei km42 ca. der linke Oberschenkel etwas zuckte. Trotzdem wollte ich das Tempo nicht verringern, war doch die Chance auf eine Wahnsinnzeit da. Aber ich merkte doch das es schwerer fiel schnell zu bleiben. So versuchte ich die Runde so gut wie möglich durchzukommen, um auf den letzten 5km nochmal alles zu geben.
Aus 2sec Vorsprung wurden 19sec „Rückstand“. Nicht unmöglich, aber natürlich sehr schwer. Dennoch ließ ich nichts unversucht und machte immer auf der letzten Runde immer wieder Druck. Und tatsächlich konnte ich die letzten Kilometer nochmal schneller absolvieren. Doch am Ende reichte es einfach nicht mehr für meine magische 3:19. Mit 3:20:36h, also dann doch recht deutlich, überquerte ich die Ziellinie.

Ich war natürlich absolut glücklich, dass der Lauf so grandios lief. Platz 8 Gesamt, Altersklassensieger und Deutscher Meister M40 + neue Bestzeit ….. alles super!
Jetzt schnell regenerieren, dann vielleicht noch 10 Tage ein paar qualitativ hochwertige Trainingseinheiten und dann steht ja bald schon die nächste Meisterschaft auf dem Programm

Bericht_Mühldorfer Anzeiger

Das Ende einer langen Saison mit vielen Qualen

Am vergangenen Sonntag (18.10.15) stand ich nun an der Startlinie des Bottwartal Marathons und wollt im letzten Wettkampf nochmal alles aus dem geschundenem Körper rausholen was geht. Gerademal 2 Wochen nach der DM im 6h Lauf noch einmal 42,195km im hohen Speed laufen zu wollen, war schon sehr ambitioniert….selbst für einen Ultraläufer wie mich der hohe Umfäng eigentlich gewohnt sein müsste.

Aber we gesagt am Ende einr Saison ist man halt nicht mehr so frisch, wie noch in der ersten Jahreshälfte. Dennoch hatte ich mir vorgenommen eine Zeit unter 2:50h zu laufen. Ganz sicher, wenn alles schief laufen sollte, aber mindestens unter 3 Stunden. Da der Bottwartal Marathon aber mit ein paar Ansteifen versehen war, wollte ich auch am Anfang mich etwas zurückhalten. Was soviel bedeutet, dass ich bis zur Hälfte im 4:00er Schnitt laufen wollte. Und eigentlich sogar noch etwas länger. Denn ungefähr bei km23 galt es ca. 50 Höhenmeter zu überwinden. Das war gleichzeitig der höchste Punkt der Strecke, und von da ging es auf den Rückweg Richtung Ziel.

Schon auf den ersten Kilometern fand ich relativ schnell mein Tempo, was sich bei 3:55/4:00min einpendelte. Alles nach Plan also. Ich fühlte mich auf den ersten 20km auch richtig gut, obwohl das gefühlt ständige Auf&Ab doch den Rhytmus etwas störte. Als es dann Richtung höchsten Punkt ging und man auf der anderen Seite die „von oben“ kommenden Läufer sah, dachte ich:

Gleich hast Du es geschafft.

Von da an sind es nur noch 18km bis zum Finish. Für einen Ultralauf ein lockerer Trainingslauf. Tja, leider wurden es noch fürchterliche 18 Kilometer. Denn ging es bis Km 26 noch ganz gut,und ich konnte den Schnitt noch halten, begann danach das Drama. Zuerst fiel es immer schwerer die 4:00min/km zu halten und dann stach es plötzlich im linken hinteren Oberschenkel. Natürlich reduzierte ich gleich etwas das Tempo, um keine unnötige Zwangspause einlegen zu müssen. Doch das musste ich dann halt kurze Zeit später, so beim km 28,5. Es ging einfach nicht mehr und das vor km30. Ich versuchte mit leichten Dehnen und Ghen den Krampf loszuwerden.

Als ich dann wieder in einen Laufschritt verfiel, merkte ich sofort wenn ich etwas beschleunigen wollte, das dies der Muskel aber nicht mehr wollte. So konnte ich nur hoffen die restlichen 12km halbwegs gut durchzukommen. Aber da meine persönlich gesteckten Zielen weg waren, konnte ich den Lauf noch mehr geniessen, als ich es eh schon getan hatte. Ich hatte immer ein Lächeln im Gesicht (Lektion gelernt von den Hahner-Twins) und schaute mir die wunderschöne Landschaft an. Das mein Schnitt immer schlimmer wurde und ich teilweise eine 5:15min lief störte mich irgendwie überhaupt nicht. Ich hatte eben alles probiert und versucht nochmal eine sehr gute Zeit zu laufen. Aber wenn der Körper sagt Stop muss man dies eben akzeptieren. Die Saison war quasi vorbei und jemanden etwas beweisen muss(te) ich auch nicht. Komisch fand ich nur auch das ich so eine Art Kurzatmigkeit empfand und das Gefühl hatte, trotz des „langsamen“ Tempos keine Luft zu bekommen?

So biß ich mich druch und konnte sogar die letzten 2-3km doch nochmal etwas schneller werden. Gute es ging bis zum Ziel leicht abwärts und 4:35min ist für meine Verhältnisse nicht wirklich schnell, aber shit happens

Nach wirklich extrem, physisch wie psychisch, harten 42,195km kam ich völlig geschafft nach 3:00:25 ins Ziel. Nicht mal die gerade einaml 26 sec über der 3h Marke störten mich. Ich war einfach nur froh ins Ziel gekommen zu sein und endlich meine wohlverdiente Laufpause antreten zu dürfen. Dass es mit Gesamtplatz 18 sogar noch zu Platz 2 in meiner AK reichte, war mir da völlig egal. Jetzt einfach nur mal (Lauf)pause machen und neue Kraft für die anstehenden neue Saison 2016 tanken. Denn da wird das erste Halbjahr wohl extrem heftig mit 3 deutschen Meisterschaften. Aber dafür kann ich dann im September die Saison schon beenden. Das hat doch auch was  …..